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10.01.2012Kaltwasserfische oder besser „Kühlwasserfische“ fürs Wohnzimmer-Aquarium
Besonders, wenn man wie ich Aquarien mit insgesamt ca. 1000 Liter betreibt, kommt da schon einiges zusammen. Den Löwenanteil der Energiekosten bei der Aquaristik machen sicherlich die Beleuchtung und die Beheizung der Aquarien aus. Die Kosten für Pumpen und Filter will ich mal unberücksichtigt lassen. BeleuchtungMeist wird angenommen, dass man ca. 0,5 Watt/Liter Beleuchtung braucht, um ein ordentliches Pflanzenwachstum zu realisieren. Empfohlen wird dabei, das Licht wie in den Tropen 12 Stunden brennen zu lassen. Das würde für mich bedeuten, dass ich nur für die Beleuchtung 2190 kWh verbrauchen würde. Nimmt man 25 Cent/kWh an, kommt man auf jährliche Kosten von ca. 550 Euro. Wie ich aber schon in den Artikeln Schwachlicht Naturaquarium und Aquarium einrichten beschrieben habe, ist der Betrieb von schönen Pflanzenaquarien auch mit schwächerer Beleuchtung und/oder kürzeren Tagen möglich. HeizungEin Standartwert von tropischen Süßwasseraquarien ist 26°C, was bei Wohnzimmeraquarien durchschnittlich 5° C Differenz zur Raumtemperatur ausmacht. Um ein Liter Wasser um 1°C zu erwärmen, benötigt man 1,16 Wh. Wenn man davon ausgeht, dass man das Wasser mindestens 2 mal am Tag auf die gewünschte Temperatur aufheizen muss, kommt man zu ungefähr 4200 kWh pro 1000 Liter Wasser im Jahr, was mehr als 1000 Euro kosten würde. Diese Berechnung ist natürlich nur sehr grob, bei offenen Becken kann das aber durch die Wasserverdunstung auch noch einiges mehr sein. Mit jedem °C, das ich einsparen kann, verringere ich meine Heizkosten um ca. 200 Euro pro Jahr. Was liegt also näher als sich nach Aquarienfischen umzuschauen, die bei oder nahe bei Zimmertemperatur gehalten werden können? Kaltwasserfische ?Bei Kaltwasserfischen denkt man zuerst an typische Teichfische oder einheimische Fischarten, wie dem Goldfisch, dem Moderlieschen oder dem Stichling. Das Problem bei diesen Fischen ist, dass sie oft auf eine viel niedrigere Temperatur im Winter angewiesen sind, als man im Wohnzimmer ohne großen Aufwand bieten kann. Viel geeigneter fürs Wohnzimmeraquarium sind daher Fische, die eher aus subtropischen Gebieten der Erde kommen. Unter den im Handel angebotenen Aquarienfischen gibt es eine ganze Reihe von interessanten Fischen, die auch in ungeheizten oder wenig geheizten Aquarien gehalten werden können. Im Folgenden möchte ich ein paar Fischarten vorstellen, die ich schon längere Zeit problemlos bei Zimmertemperatur halte und ein paar Beispiele andere Fische nennen, die in Frage kommen könnten. In meinen Aquarien schwankt die Temperatur meist zwischen 20°C in der Nacht und 22°C am Tag. Die Abwärme der Filter und natürlich der Beleuchtung erwärmt die Aquarien dabei etwas über Raumtemperatur. Im Winter muss gegebenenfalls (je nach Besatz und Standort des Aquariums) ein wenig zugeheizt werden, um die Ansprüche der einzelnen Arten an die Temperatur zu gewährleisten. Lebendgebährende ZahnkarpfenEine ganze Reihe der der beliebten lebendgebährenden Zahnkarpfen können problemlos bei Zimmertemperatur gehalten werden. Darunter zählen vor allem Platies (Xiphophorus maculatus, 18 - 28°C ), Papageienplaties (Xiphophorus variatus, 15 - 28°C), Schwertträger (Xiphophorus hellerii, 20-28°C) und Guppies (Poecilia reticulata, 20 - 30°C), hier besonders die Endler (Poecilia wingei, 20 - 28°C). Hochzuchtguppies benötigen eventuell etwas höhere Temperaturen und auch Black Mollys (Poecilia sphenops, 25 – 28°C) und Segelkärpflinge (25 - 28°C) fühlen sich bei Zimmertemperatur nicht wohl. Für ein unbeheiztes Wohnzimmeraquarium sind auch einige Hochlandkärpflinge aus Mexiko geeignet. Ich halte und vermehre schon seit einigen Jahren den schönen Ameca-Kärpfling (Ameca splendens, 20-30°C) aus Mexiko. In einigen Quellen wird zwar eine höhere Mindesttemperatur angegeben, aber bei mir sind diese Fische auch bei Zimmertemperatur quietschfidel und sorgen für Nachwuchs. Fische aus dem asiatischen Raum
Mit relativ niedrigen Temperaturen kommen auch die siamesische Rüsselbarbe (Crossocheilus siamensis, 22 – 28°C) und die siamesische Saugschmerle (Gyrinocheilus aymonieri, 22 – 28°C) zurecht. Eventuell muss man bei diesen Fischen aber ein wenig zuheizen. Ein klassischer Kaltwasserfisch ist natürlich die Makropode (Macropodus opercularis, 18 – 30°C). Fische aus Südamerika
Viele L-Welse lieben ja hohe Temperaturen, aber der beliebte Antennenwels (Ancistrus spec., 18 - 30°C), der braune Ohrgitterharnischwels (Otothyropsis piribebuy, 18 - 24°C) und der gemalte Schwielenwels (Megalechis thoracata, 18 - 28°C) können auch ohne Heizung gehalten werden. Auch einige Panzerwelse (Corydoras paleatus, 15 - 29°C; C. aureus, 20-30°C und Scleromystax barbatus, 18-24°C) sind mit niedrigen Temperaturen zufrieden. Fische aus Nordamerika
Ein ganz besonderer Fisch ist die Regenbogenelritze (Notropis chrosomus, 6 - 26 °C), die von Frühling bis Herbst sogar im Gartenteich gehalten werden kann. Ein besonders während des Laichens unverschämt bunter Fisch, der bei mir in einem größeren Schwarm in einem Artbecken schwimmt. Ansonsten seien hier noch die Springbarsche (z.B. Etheostoma caeruleum, 7 - 25 Grad) und Sonnenbarsche (Lepomis gibbosus, 7-25°) genannt. Diese Barsche bedürfen aber eventuell einer kühleren Überwinterrung. Sehr gut geeignet ist auch der Floridakärpfling (Jordanella floridae, 18-26° C) aus Florida bzw. Mexiko. FazitDie Beispiele zeigen, dass es sehr wohl einige schöne Fische gibt, die im Wohnzimmeraquarium auch bei Zimmertemperatur gehalten werden können. Einige dieser Fische sind zudem sehr interessant und attraktiv. Außerdem lohnt es, sich auch mal mit nicht so gebräuchlichen Aquarienfischen zu beschäftigen. Besonders die Regenbogenelritzen und die Ameca-Kärpflinge, aber auch die Flossensauger sind schon etwas ganz besonderes und bekommen sicher auch bald einen eigenen Artikel gewidmet. © Andreas Jäger |
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