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30.03.2010Störwelse - Lamontichthys filamentosus & Sturisoma festivumNachdem im Herbst 2009 durch eine Umstrukturierung in meinem Bestand ein 1 m Aquarium freigeworden war, habe ich mir einen schon länger bestehen Wunsch erfüllt und das Becken als Störwelsbecken eingerichtet. Beim Zierfischgroßhandel Steckel in Hilden gab es dazu erfreulicherweise auch den passenden Besatz und so sind nach dem Einfahren des Aquariums ein ziemlich ausgewachsenes Trio Sturisoma festivum (1m, 2w) und ein Paar halbwüchsige Filamentstörwelse (Lamontichthys filamentosus), eine echte Rarität, eingezogen.
Über Sturisoma festivum gibt es einige Artikel in der Literatur und auch einige Erfahrungsberichte über die Haltung und Zucht im Internet. Über die Filamentstörwelse konnte ich zunächst nur sehr wenige Informationen bekommen. Es gab aber einen Hinweis im Internet, das der Baseler Zoo sich mit der Haltung von Lamontichthys filamentosus beschäftigt hat und diese sogar nachzüchten konnte. Auf Nachfrage, habe ich von Johannes Leuenberger vom Vivariums erfahren, dass die Filamentstörwelse im Baseler Zoo ähnlich gehalten wurden, wie es auch für die Sturisomas häufig empfohlen wird. Als wichtigste Bedingungen für die Pflege wurden eine gute Wasserqualität und eine starke Strömung mir genügend Sauerstoffeintrag angesehen. Die Tiere wurden in Becken ohne Bodengrund nur mit Wurzeln und Steinen bestückt untergebracht. Die Wasserwerte waren mit 200 mS, pH-Wert 7,3 und einer Temperatur von 24 °C für die Haltung relativ moderat. Für die Zucht wurden allerdings die Wasserhärte auf 50 mS erniedrigt und die Temperatur auf 27 °C erhöht. Dem Baseler Zoo ist damals die Aufzucht bis zu einer Größe von 8 cm gelungen. Weitere Informationen habe ich von Norman Behr bekommen. Nach seiner Auskunft hatten Dani Madörin und Mike Hemmann ebenfalls Erfolg bei der Zucht der Filamentwelse in Becken ohne Bodengrund, starker Strömung und einer Ernährung mit großem pflanzlichen Anteil (Welschips und selbst hergestelltes Futter). Einrichtung des AquariumsIch habe das Aquarium im wesentlichen dann auch nach den mir vorliegenden Informationen eingerichtet, da ich den Versuch unternehmen wollte, zumindestens die Sturisomas einmal nachzuziehen. Das Aquarium ist ohne Bodengrund, aber dafür mit einer größeren Menge Moorkienholz eingerichtet, dadurch ist das Sauberhalten des Beckens einfach möglich. Um die Stabilität des Wassers weiter zu erhöhen, kommt in diesem Becken das raue Hornkraut (Ceratophyllum demersum) zum Einsatz. Diese Pflanze flutet an der Wasseroberfläche und ist in der Lage bei gutem Wachstum große Mengen Schadstoff aus dem Wasser zu entfernen. Besonders vorteilhaft ist, dass Hornkraut unabhängig vom CO2 des Wassers ist und deshalb auch in belüfteten Becken sehr gut wächst. Da sowohl die Lamontichthys als auch die Sturisomas stärkere Wasserströmung mögen, habe ich zusätzlich zu einem Biofilter mit langsamen Durchfluß eine Tauchkreiselpumpe mit einer Leistung von 600 Liter pro Stunde installiert, die durch einem Diffusor für einen ordentlichen Sauerstoffeintrag sorgt. WasserwerteDie Wasserwerte in Solingen sind für die Welse glücklicherweise schon ganz gut geeignet, so dass ich das Wasser zunächst ohne weitere Aufbereitung verwendet habe. Hier fließt Wasser mit 240 Microsiemens (KH 3, GH 5) aus der Leitung, was erstmal weich genug für die Störwelse sein sollte. Nach Angaben aus der Literatur und den Empfehlungen habe ich die Beckentemperatur auf 27°C eingestellt. FutterStörwelse sind in der Natur Aufwuchs- und Algenfresser, dass sollte man bei der Fütterung beachten. Ich verwende eine selber hergestellte Frostfuttermischung aus Scampis, Erbsen und getrockneten Brennesseln. Zusätzlich bekommen die Tiere jeden zweiten Tag frisches Gemüse, wobei sich geschälte Zuccini als ihre Lieblingsspeise erwiesen haben. Komplettiert wird das Angebot durch JBL Pleco Chips mit einem hohen Spirulinaanteil. Diese Chips sind besonders geeignet für ein Aquarium mit starker Strömung, da sie sehr hart und formstabil sind und sich nicht direkt auflösen. Ab und zu bekommen die Welse auch gefrorene schwarze Mückenlarven. VerhaltenStörwelse sind von Natur aus eher zurückhaltende und standorttreue Fische, die aber nicht so versteckt leben, wie man es von manchen L-Welsen kennt. Man kann die Tiere auch tagsüber bei der Futtersuche oder beim gegenseitigen Imponieren beobachten. Besonders das gegenseitige Imponieren mit den Schwanzflossen ist eine Show. Dabei muß man allerdings sagen, dass die Lamontichthys noch etwas ruhiger sind als die Sturisomas. Die meiste Zeit sitzen oder hängen die Tiere am Moorkienholz. Auch bei der Fütterung lassen Sie sich länger bitten, scheinen im Endeffekt aber genug abzubekommen. Besonders, wenn es im Raum längere Zeit ruhig war, tendieren beide Welsarten dazu, sich bei einer unachtsamen Bewegung vor dem Becken zu erschrecken und ruckartig durchs Becken zu schießen. Bis jetzt hat sich noch keiner verletzt, aber eventuell wären es gut, ein paar Beifische mit ins Becken zu setzten, um die Toleranz von Bewegungen in ihrer Umgebung zu erhöhen. ZuchtBereits einige Wochen nach dem Einsetzen haben die Sturisomas das erste mal abgelaicht. Den Laichvorgang konnte ich allerdings nicht beobachten, aber eines Abends saß das Männchen auf ca. 80 hellen Eiern. Die Tiere hatten die Eier direkt auf den Boden hinter einer Moorkienwurzel geklebt, wo eine mittlere Strömung herrscht. Das Männchen kümmerte sich die nächsten Tage vorbildlich um das Gelege, bis ich mich entschloß, die Eier kurz vor dem Schlüpfen in ein Einhängenetz zu überführen und dieses direkt in die Strömung zu hängen. Zu diesem Zeitpunkt konnte man die kleinen Fische in den Eiern schon sehr gut erkennen. Die Eier von der Scheibe zu bekommen, war gar nicht so einfach, da sie sehr fest am Glas hafteten. Ich habe versucht, sie mit einer Rasierklinge abzunehmen, was zum Teil auch gelang, die meissten Jungfische sind aber direkt bei der Berührung mit der Klinge geschlüpft und losgeschwommen, was die Überführung nicht gerade leichter gemacht hat. Nach längerer Zeit waren aber beinahe alle Jungfische im Netz versammelt, einige habe ich allerdings im Becken belassen, um einen Vergleich zu haben, ob ein natürlicher Schlupf Vorteile bietet. Nach verschiedenen Erfahrungsberichten wird diskutiert, ob die kleinen Welse Bakterien mit dem Kot der Elterntiere aufnehmen müssen, um pflanzliche Nahrung verdauen zu können. Nachdem die Dottersäcke nach einigen Tagen deutlich zurückgegangen sind, habe ich versucht, die kleinen Welse zum Einen mit fein zerriebenen Futtertabletten, zum Anderen mit sich in Auflösung befindlichen Salat anzufüttern. Der Salat wurde dazu nach einer Empfehlung in einem Erfahrungsbericht in eine Schale mit Aquarienwasser bei Raumtemperatur einige Tage stehen gelassen. Leider konnte ich nicht mit Sicherheit beobachten, dass die Jungfische das angebotene Futter gefressen hätten. Schon zu diesem Zeitpunkte gab es trotz guter Wasserwerte unter den Jungfischen einige Verluste zu beklagen, weswegen ich mich dazu entschloss, einen Teilwasserwechsel mit temperiertem Wasser durchzuführen. Leider hat das dazu geführt, dass am nächsten Tag kein Jungtier mehr am Leben war. Die Jungfische müssen wohl sehr empfindlich auf Änderungen der Wasserwerte reagieren. FazitTrotz guter Pflege haben die Sturisomas bis jetzt nicht wieder abgelaicht, aber ich werde über den weiteren Verlauf meiner Bemühungen berichten. Die Lamontichthys sind jetzt bald ein halbes Jahr in diesem Becken und immer noch gesund und munter. Bis jetzt haben sie sich unter diesen Bedingungen als unproblematisch erwiesen. © Andreas Jäger |
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