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Ichthyophthiriose - die Pünktchenkrankheit

Temperatur und Salzbehandlung des Parasiten Ichthyophthirius multifiliis

Da bei meinen Fischen schon lange keine Krankheit mehr aufgetreten waren, bin ich mit meinen Aquarien etwas zu sorglos umgegangen und habe meistens beim Einsetzen neuer Fische auf eine Quarantäne verzichtet. Ca. eine Woche nach dem Neuerwerb einiger Fische fielen mir vereinzelte bis 1mm große weiße Pünktchen bei den Dornaugen auf. Kurze Zeit später sind die Pünktchen auch in einem meiner Zuchtbecken an den dort angesetzten Kap Lopez Killifischen (Aphyosemion australe) und auch in meinem großen Wohnzimmerbecken an verschiedenen Fischen aufgetreten. Innerhalb von kürzester Zeit hat sich die Krankheit also über drei Becken verteilt, noch bevor ein Ausbruch der Krankheit bemerkt werden konnte.

Die Pünktchenkrankeit (Ichthyophthiriose) ist wohl die häufigste Krankheit bei Aquarienfischen und wir oft mit dem Schnupfen beim Menschen verglichen. Unbehandelt führt diese Krankheit in den allermeisten Fällen zum Verlust des befallenen Fisches.

Oft tritt der Ichthyo auf, kurz nachdem neue Fische ins Aquarium gesetzt werden. Dann wird oft der Händler beschuldigt kranke Fische zu verkaufen. Oft ist das allerdings nicht richtig, da in den meisten Aquarien ein Wirt-Parasiten Gleichgewicht vorliegt, das heißt, dass ständig ein Minimalbefall vorliegt, der aber nicht zu sehen ist und die Fische auch nicht weiter stört. Kommen jetzt fremde Fische in ein solches Becken, deren Immunsystem den vorhandenen Ichthyostamm nicht kennt, kann sich dieser hervorragend vermehren und auch den Altbestand in Mitleidenschaft ziehen. Umgekehrt sind auch die alteingesessenen Fische vor unbekannten Ichthyoerregern nicht gefeit. Dadurch, dass sie schon eingelebt sind, sind sie jedoch weniger krankheitsanfällig als die neu hinzugesetzten Fische. Eine Quarantänehaltung von neuerworbenen Fischen würde somit nicht unbedingt helfen.

Malachitgrünoxalat

Nachdem das Kind in den Brunnen gefallen war, habe ich mich nach alternativen Behandlungsmöglichkeiten umgeschaut. Da ich alle meine Aquarien mit Hamburger Mattenfiltern ausgestattet habe und meinen Welsen und Garnelen keine Medikamente zumuten wollte, wollte ich keine Medikamente verwenden. Im Handel erhältliche Medikamente enthalten meist Malachitgrünoxalat. Malachitgrünoxalat ist sehr giftig und steht im Verdacht Krebs zu erregen, deshalb sollte man damit sehr vorsichtig umgehen. Außerdem schädigt dieses Medikament die Filterbakterien und ist sehr lichtempfindlich. Es wird die Empfehlung gegeben eventuelle Biofilter während der Behandlung kurzzuschließen, um ein Absterben der Bakterien zu verhindern. Außerdem reagieren sowohl Süßwassergarnelen als auch Welse empfindlich auf verschiedene Medikamente. Besonders Garnelen vertragen keine Schwermetalle (besonders kein Kupfer) im Wasser.

Lebenszyklus von Ichthyophthirius multifiliis

Um eine erfolgreiche Behandlung ohne Fertigmedikamente durchzuführen, sollte man sich kurz mit dem Lebenszyklus vom Ichtyo befassen:

Ichthyophthirius multifiliis ist ein Ciliat, also ein Wimpertierchen, wie das bekannte Pantoffeltierchen. Der Ektoparasit erreicht in seiner vegetativen Form eine Größe bis zu 1 mm, was dazu führt, dass diese Krankheit schon mit dem bloßen Auge am Fisch zu diagnostizieren ist. Der Parasit lebt in der Epidermis, die er erst zur Fortpflanzung durchbricht. Dabei kann der Wirt erhebliche Hautverletzungen davontragen. Der Parasit sinkt zu Boden und beginnt mit der Bildung von Zysten. Durch wiederholte Zellteilungen entstehen somit bis zu 1000 sogenannte Schwärmer (Tomiden) von 50 – 70 µm, die wiederum Fische befallen können. Nach spätestens 70 Stunden müssen die Schwärmer wiederum einen Wirt gefunden haben. Die Dauer des Vermehrungsprozesses ist temperaturabhängig. Bei 4°C dauert er etwa 6 Tage bei 25 – 28° nur 10 bis 12 Stunden. Während der Wachstumsphase in der Haut lässt sich der Erreger nicht bekämpfen. Die Behandlung muss sich also gegen die frei schwimmenden Schwärmer richten. Fische, die eine Ichthyophthiriose überleben, entwickeln oft eine stabile Immunität gegen den jeweiligen Erregerstamm.

Salzbehandlung plus Temperaturerhöhung

Aus den obengenannten Gründen wollte ich keine Behandlung mit Malachitgrünoxalat durchführen und habe mich stattdessen für eine Salzbehandlung mit Temperaturerhöhung entschieden.

Die Vorteile von Salz als Medikament sind:

  • Es ist für den Menschen und die Fische bei entsprechender Dosierung ungiftig
  • Bei stufenweiser Zugabe schadet es den Filterbakterien nicht
  • Es gibt keine Wechselwirkungen mit anderen Chemikalien (z.B. Wasseraufbereiter) oder Licht
  • Es hat kein Verfallsdatum und kann somit immer auf Vorrat gehalten werden.
  • Auf der Suche nach einem möglichst reinen Salz ohne die sogenannten Rieselstoffe, die eine Trübung des Wassers hervorrufen, bin ich auf Spülmaschinensalz gestoßen. Dieses Salz muss sehr rein sein, damit die empfindlichen Ionentauscher in der Spülmaschine nicht kaputt gehen. Beim Auflösen dieses Salzes bleibt das Wasser kristallklar, wie bei der Verwendung von Meersalz.

    Der Effekt der Salzzugabe ist eine Verschiebung des Ionenspektrums und der osmotischen Verhältnisse im Wasser. Einzeller können sich darauf wesentlich schlechter einstellen als Fische, deshalb wirkt Salz leicht desinfizierend. Die Schleimproduktion der Fischhaut wird angeregt, so dass es die Schwärmer schwerer haben die Fische zu infizieren.

    Die Temperaturerhöhung wirkt direkt auf die temperaturempfindlichen Schwärmer. Je höher die Temperatur, desto schneller sterben die Schwärmer ab. Hierbei ist wohl schon bei einem Aquarienstamm des Parasiten eine Temperatur von 28°C als ausreichend nachgewiesen worden. Eine Erhöhung auf 30° sollte (wenn die Fische das vertragen) in jedem Fall ausreichend sein.

    Therapie

    In der Literatur wird eine Konzentration von 3g Salz / 10 l Wasser als therapeutisch wirksame Dosis angegeben. Diese Dosierung habe ich in zwei Stufen vorgenommen, um die Filterbakterien zu schonen.Hierbei habe ich als Messhilfe einen gestrichenen Teelöffel mit ca. 3g Salz gleichgesetzt. Da meine Fische diese Salzkonzentration problemlos vertragen haben, habe ich vorsichtig in mehreren Stufen bis auf ca. 6g / 10 l weiter aufgesalzt.

    Die Temperatur wurde dabei innerhalb von 24 Stunden auf 30°C angehoben. Eine Belüftung erschien mir dabei noch nicht notwendig, da die Fische nicht in Atemnot gekommen sind. Die Pflanzen in den behandelten Becken scheinen das Wasser ausreichend mit Sauerstoff zu versorgen und im Zuchtbecken ist ehe ein luftbetriebener Mattenfilter installiert.

    Es wird oft darüber berichtet, dass bestimmte Fischarten eine solche Temperaturerhöhung und / oder Aufsalzung nicht vertragen. Folgende Fischarten haben bei mir eine Temperaturerhöhung auf 30°C und eine Aufsalzung auf 6 g Salz / 10 l Wasser problemlos überstanden.

    Achirus spec.Süßwasserflunder
    Ancistrus spec.Antennenwels
    Aphyosemion australeKap Lopez Killifisch
    Aphyosemion gardneriGardners Killifisch
    Caridina japonicaAmanogarnele
    Corydoras duplicareusDuplikat Panzerwels
    Corydoras sterbaiSterbai Panzerwels
    Fundulopanchax amietiKillifisch
    Melanotaenia praecoxDiamantregenbogenfisch
    Neocaridina denticulata sinensisRedfire – Zwerggarnele
    Pangio kuhliiDornaugen
    Paracheirodon axelrodiRoter Neon
    Tanichthys albonubesKardinalfisch / Kardinälchen
    Trichogaster leeriMosaikfadenfisch
    Xiphophorus helleriSchwertträger

    Besonders den Neons und den Panzerwelsen wird oft nachgesagt, dass sie Aufsalzung nur schlecht vertragen. Auch sollen die gepflegten Killifische und die Kardinalfische empfindlich bei zu hohen Temperaturen reagieren. Diese Annahmen kann ich nicht bestätigen.

    Nach zwei Wochen waren keine Pünktchen mehr zu sehen. Auch die Pflanzen haben keinerlei Schaden von der Behandlung davongetragen. Wie man sieht, waren die Kap Lopez Männchen bald wieder zum käbbeln aufgelegt.

    Durch mehrere kleinere Wasserwechsel kann dass Salz wieder aus dem Wasser entfernt werden. Das Entsalzen sollte allerdings nicht zu schnell erfolgen, da einige Fische wohl empfindlicher auf die Entsalzung als auf die Aufsalzung reagieren. Bei mehreren kleinen Wasserwechseln von ca 20 – 30 % mit ein paar Tagen Abstand gibt es aber sicherlich keine Probleme.

    © Andreas Jäger

    Leserbriefe

    Sehr geehrter Herr Jäger,

    vor etwas mehr als 2 Wochen habe ich nach dem Einsatz neuer Neons in mein Aquarium bei einigen Fischen die Pünktchenkrankheit festgestellt. Ich denke eingeschleppt durch den Neukauf. Auf der Suche nach Heilmethoden bin ich im Internet auf Ihren Artikel gestoßen, diese Krankheit alternativ mit Salz und Wärme zu behandeln. Ich bin dabei genau so vorgegangen,wie Sie es beschrieben haben. Nach wenigen Tagen war ein deutlicher Rückgang der "Pünktchen" feststellbar. Nunmehr sind 14 Tage vergangen und kein Fisch ist mehr befallen. Ein Neon ist eingegangen, der war allerdings noch nicht erkennbar krank. Vielleicht war er aus anderem Grund krank oder schon geschwächt und wäre auch so eingegangen.

    Ich bin sehr beeindruckt und froh, ohne Chemie die Krankheit besiegt zu haben. Ich gebe zu, dass ich zuerst skeptisch war. Deshalb möchte ich mich auf diesem Weg bei Ihnen für den informativen und hilfreichen Artikel bedanken und vielleicht interessiert Sie ja auch die Erfahrung anderer Aquarianer.

    Freundliche Grüße

    Norbert Jansen


    Hallo Herr Jäger !

    Ich habe mir durch den Kauf von Neons die Pünktchenkrankeit eingefangen.

    Durch die Suchmaschine bin ich auf Ihren Artikel gestoßen und war fasziniert, das es zu den herkömmlichen Chemiekeulen auch noch eine Alternative gibt.

    Da ich 3 Metallpanzerwelse und 3 gestreifte Otocinclus "Oto's" habe wollte ich nicht das Mittel aus der Zoohandlung nehmen. Ich habe also wie Sie empfohlen haben die Temperatur auf 29- 30 Grad hochgefahren und ersteinmal 3 g Salz pro 10 Liter Wasser ins Aquarium gegeben. Das hat die Pünktchenkrankheit zwar gestoppt, aber nicht geheilt.

    Dann habe ich nochmals Salz zugegeben um auf eine Gesamtmenge von 6 g pro 10 Liter zu kommen und siehe da die Pünktchen verschwinden.

    Ich möchte mich auf diesem Wege bei Ihnen für Ihren Mut diesen Artikel über alternative Heilmittel ins Internet zu stellen bedanken.

    Mit freundlichen Grüßen

    Ute Hopf


    Sehr geehrter Herr Jäger!

    Anfang Oktober haben wir uns (mein Freund und ich) zu unserem kleinen Aquarium ein größeres ca. 100l-Becken angeschafft.

    Vor drei Wochen, wir waren das Wochenende nicht zuhause, kam plötzlich ein "Aufschrei" per SMS von meiner Schwester mit den Worten, ob wir uns in der ganzen Aufregung um das neue Aquarium vielleicht auch einmal das kleine Becken wieder angeschaut hätten - "Herzlichen Glückwunsch, 'Ichthyo', und zwar so richtig!!!" und schickte uns Ihren Homepage-Link mit. Wir uns also direkt ins Internet "gehängt" und SEHR, sehr viel gelesen!!! Nach einigem Überlegen bzgl. der Welse und Schnecken und der davon entwickelten Ansicht, dass wir ohne Medikamente arbeiten werden und dem Fund Ihres Artikels, haben wir uns entschieden, dass wir diese Methode probieren werden.

    Meine Schwester hat perfekt nach unserer Anleitung aufgesalzen und Temperaturen erhöht, sodass wir heute von einem (für den damaligen Zustand der Fische), für uns wirklich sehr akzeptablen Ergebnis der Anzahl verbliebenen Fische sprechen können!

    Im großen Becken haben alle 10 Gabelschwanzblauaugen überlebt, und die beiden Zwergwelse!!! Die beiden ramirezi sind leider eingegangen (das Weibchen bereits vor der "Salz-Kur"), jedoch waren beide bereits vorher stark geschwächt.

    Im kleinen Becken haben leider nur drei Platys und ein Otocynclus überlebt. Dieses Becken war jedoch auch weitaus mehr befallen und wir hatten eigentlich mit einem Komplettausfall gerechnet, nach Besichtigung der Fische.

    Abschließend kann ich nur sagen, dass Ihre genannte Methode bei uns, in Anbetracht der doch sehr kritischen Lage wunderbar funktioniert hat. Hätten wir die Krankheit früher entdeckt, hätten auf jeden Fall mehr Fische überlebt.

    Ich kann somit allen Aquarianern, die sich noch nicht ganz sicher sind, dieses Verfahren nur wärmstens empfehlen!!

    Wir werden hoffentlich nicht mehr darauf zurückgreifen müssen, dieses jedoch bei Bedarf sofort tun!

    Vielen Dank für die ausführlichen Informationen!

    Mit freundlichen Grüßen,

    Stella Wiese




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