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30.11.2006

Koi Schwertträger - Xiphophorus helleri "Kohaku"

Einleitung

Schwertträger stehen seid jeher bei den Aquarianern in hoher Gunst, besonders wegen ihres Images als "Anfängerfische", die auch schon mal den einen oder anderen Haltungsfehler überstehen. Die zielgerichtete Zucht von lebendgebährenden Zahnkarpfen ist aber im Gegensatz zur einfachen Vermehrung eher ein Thema für Fortgeschrittene und auch Schwertträger zeigen erst bei optimaler Haltung ihr vollständiges Verhaltensrepertoire. Diese herrlichen Fische abwertend als "Anfängerfische" zu bezeichnen, wird ihnen nicht gerecht. Wer einmal das beeindruckende Balzschwimmen beobachtet hat, wird diese Fische mit ganz anderen Augen betrachten, als jemand, der sie nur aus einem überfüllten Gesellschaftsbecken kennt.

Immer wieder gibt es neue Farbschläge und Züchtungen. Mir haben es besonders die Koi Schwertträger mit ihrem hohen Kontrast von orange zu weiß angetan, die bei entsprechender Beleuchtung wie in Farbe getaucht aussehen.

Die Färbung des Koi Schwertträgers entsteht durch die Grundfarbe weiß bei normaler Augenfarben oder durch die Grundfarbe albino bei roten Augen. Darüber trägt er die Deckfarbe rot oder orange, die durch den sogenannten Scheckenfaktor nur in Flecken die Grundfarbe überdeckt. Dieser Scheckenfaktor ist normalerweise nicht im Genom des Schwertträgers vorhanden, sondern stammt vom Platy (Xiphophorus maculatus). Die phänotypische Ausprägung nennen die Japaner "Kohaku" in Anlehnung an die Koizuchtformen.

Ohne rote Flecken werden diese Schwertträger "Platinum" genannt. Es gibt auch noch andere Ausprägungsarten, wie z.B. weiße Grundfarbe mit schwarzen Flecken. Diese Schwertträger werden "Utsuri" genannt, was aber nur auf der Grundfarbe weiß zum Tragen kommt, da die Grundfarbe albino keine schwarzen Flecken zulässt. Natürlich gibt es auch Schwertträger mit schwarzen und roten Flecken auf der Grundfarbe weiß, das sind die "Showa" -Schwertträger. Die begehrtesten Schwerttäger aus dieser Gruppe werden "Tancho Kohaku"- Schwertträger genannt. Sie tragen nur einen roten Fleck auf dem Kopf auf weißer Grundfarbe, denn die Nachzucht von Kohaku Schwertträgern zeigt nur in 1% der Fälle dieses Muster.

Die unregelmäßigen schwarzen Flecken sollten übrigens vermieden werden, da sie regelmäßig zu Krebs bei den Tieren führen (Anders, 1997). Im Platygenom gibt es ein entsprechendes Tumorsuppressorgen, das bei Hybridfischen nicht vorhanden ist und somit das Onkogen nicht unter Kontrolle halten kann. Auf normale "Pfeffer und Salz", "Tuxedo" oder "Nigra" Gene der Schwertträger trifft das aber nicht zu.

Haltung

Da die lebhaften Schwertträger ca. 10 - 12 cm groß werden, sollte man bei Gruppenhaltung dementsprechend große Becken zur Verfügung stellen. Ich halte Becken erst ab 80 cm Länge für geeignet. Bei den Schwertträgern bildet sich eine soziale Rangfolge aus, die in zu kleinen Becken dazu führt, das die schwächsten Männchen permanent unterdrückt werden. Um die Aggressionen zu verteilen, sollten mindestens 5 Tiere zusammen gehalten werden. Meine Schwertträger können sich im großen 550 Liter Becken sehr gut aus dem Weg gehen.

Die Temperatur sollte zwischen 22 und 28 °C betragen, wobei die Zuchtformen eher im oberen Bereich der Temperaturspanne anzusiedeln sind. Bei mir werden sie bei 24° C gehalten, was wohl im optimalen Bereich ist. Der Schwertträger ist eher ein Fisch für mittelhartes bis hartes Wasser (GH 12 - 30) und fühlt sich um den Neutralpunkt (ph 6,5 - 8,5) wohl.

Der Schwertträger ernährt sich omnivor, das heißt, dass sie sowohl tierische als auch pflanzliche Nahrung zu sich nehmen. Eine ausgewogene und abwechselungsreich Ernährung mit verschiedenen besonders auch pflanzlichen Futtersorten und regelmäßigen Lebendfuttergaben erhält die Vitalität dieser Fische und lässt ihr beeindruckendes und komplexes Sozialverhalten zu Tage treten.

Zucht

Das Fortpflanzungsverhalten von Schwertträgern ist geringfügig anders als bei anderen lebendgebährenden Zahnkarpfen. Die Männchen bewerben die Weibchen sehr lebhaft und dauerhaft. Während der Balz vollführen die Männchen einen eigentümlichen Wiegetanz. Das Weibchen gebiert pro Wurf bis zu 180 Jungfische. Die Besonderheit bei den Schwertträgern ist, dass man sich nicht alle Männchen gleich schnell entwickeln. Es gibt kleinere sogenannte Frühmännchen und deutlich größere Spätmännchen, die sich erst wenn sie größer sind als Männchen zu erkennen geben. So kann es schon mal vorkommen, dass man glaubt Weibchen erstanden zu haben, die sich dann aber doch als Männchen entpuppen.

Andere Zuchtformen

Durch viele Kreuzungen mit dem Platy (Xiphophorus maculatus) gibt es eine große Vielfalt an Farben und Formen bei den Schwertträgern. Der rote Schwertträger verdankt seine Farbe dem roten Platy und der grüne Schwertträger seine dunklen Flossen dem Waigtail Platy. Bei den Schwertträgern gibt es auch Schleierformen wie die Simpson Schwertträger. Diese Ausprägung ist auf eine Fehlfunktion der Hypophyse zurückzuführen, die ja das Körperwachstum beeinflusst. Neben den Zuchtformen des Schwertträgers (Xiphophorus helleri) und des Platys (Xiphophorus maculatus) und deren Hybriden gibt es auch noch zwei weitere Arten den Montezuma - Schwertträger Xiphophorus montezuma und den Zwergschwertträger (Xiphophorus pygmaeus) , die allerdings bei uns nicht so häufig gepflegt werden.

© Andreas Jäger

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