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15.11.2007

Fundulopanchax gardneri – der stahlblaue Prachtkärpfling

Killifische für Einsteiger und Fortgeschrittene

Killifische gelten häufig als empfindliche Fische, die extreme Wasserwerte brauchen und sehr kurzlebig sind. Dass ist aber nur für einen Teil der Killifische, zumeinst annuelle Saisonfische, wie z.B Diapteron- Arten, der Fall.

Der stahlblaue Prachtkärpfling wird schon lange als robuster Pflegling, besonders für den Einsteiger in die Welt der Killifische, empfohlen. Gardneris werden im Aquarium ca. 5 Jahre alt, was wesentlich länger ist als z.B. Guppies. Die phantastischen Farben, die unkomplizierte Haltung, die relative Langlebigkeit und die leichte Nachzucht machen die Entscheidung für diesen Killifisch leicht. Auch mir sind diese eierlegenden Zahnkarpfen sehr ans Herz gewachsen, deshalb möchte ich sie in diesem Artikel weiterempfehlen.

Vorkommen

Die „Gardneris“ sind in Westafrika (Nigeria) beheimatet. Dort kommen verschiedene Unterarten vor. Die Nominatform F. gardneri gardneri kommt im südöstlichen Nigeria vor. Weitere Unterarten sind F. gardneri nigerianus, F. gardneri lacustris und F. gardneri mamfensis. Die am häufigsten gehaltenen Unterarten sind F.gardneri gardneri und F. gardneri nigerianus.

Vergesellschaftung

Die stahlblauen Prachtkärpflinge lassen sich sowohl im Artbecken als auch im Gesellschaftsaquarium mit nicht zu aggressiven Fischen pflegen. Einer Vergesellschaftung mit Salmern, Panzerwelsen oder Barben steht nur der Reiz eines Artbeckens mit mehreren Paaren dieser herrlichen Fische im Wege. Aus eigener Erfahrung kann ich eine problemlose Vergesellschaftung mit Panzerwelsen, Otocinclus, Dornaugen, Süßwasserschollen und verschiedenen Harnischwelsen berichten. Selbst mit kleineren Killifischen aus der Gattung Aphyosemion gab es nie Probleme. Noch kleiner Fische, wie z.B. junge Neons, haben die Gardneris allerdings zum Fressen gern und auch an langflossige Arten, wie Guppies oder Kampffische wird man nicht lange Freude haben.

Haltung

Die Ansprüche in der Haltung sind als durchaus moderat zu bezeichnen. So bietet ein 1 Meter Becken genügend Platz für einige Paare der schönen Prachtkärpflinge. Selbst ein kleines 60 Liter Aquarium verträgt 2 – 3 Paare, wenn nur wenige Beifische mitgehalten werden. Das Aquarium sollte, wie bei Killifischen üblich, kräftig bepflanzt und nicht zu hell sein. Im Halbschatten haben diese Fische leuchtende Farben. Eine Abdeckung ist allerdings Pflicht. Die Prachtkärpflinge springen oft und gerne.

Bei den Wasserwerten sind die Gardneris ziemlich anspruchslos. Allerdings sollten sie nicht zu warm stehen. Eine Haltung bei Zimmertemperatur ist ideal, aber die Fische vertragen auch bis 25°C oder kurzzeitig mehr. Auch bei der Wasserhärte sind diese Tiere nicht sonderlich wählerisch. Bei mir gedeihen und vermehren sie sich problemlos im relativ harten Düsseldorfer Leitungswasser bei 10° KH und 15°dGH.

An Futter nehmen die gierigen Fische so ziemlich alles was Haus und Hof zu bieten hat. Natürlich mögen die Prachtkärpflinge am liebsten Lebendfutter oder Frostfutter. Sie sind aber auch mit Flockenfutter oder Sticks zufrieden. Besonders wild sind sie auf rote Mückenlarven und Drosophilas. Bei der Verfütterung von Leben- bzw. Frostfutter sollte man allerdings mit der Menge aufpassen, damit die Fische nicht zu viel vertilgen. Sie neigen dazu sich zu überfressen, wie Skalare das häufig tun.

Zucht

Ich setze zur Zucht ein Pärchen oder ein Trio in einem eingefahrenen 20 L Aquarium mit eingebautem Mattenfilter an. Die Einrichtung besteht aus eine Tonhöhle, falls das Männchen mal zu aggressiv sein sollte und das Weibchen ihm aus dem Weg gehen will und einem Wollmopp aus schwarzer, synthetischer Wolle. In der schwarzen Wolle sind die Eier einfacher zu finden, da sie glasklar sind und unter Licht in der dunklen Wolle glänzen. Eine Heizung wird im Zuchtbecken nicht gebraucht, da die Prachtkärpflinge bei Zimmertemperatur gehalten werden. Für die Beleuchtung reicht Tageslicht oder eine andere schwache Lichtquelle.

In dem Zuchtbecken können die Fische einige Wochen gehalten werden, wenn man für genügend Wasserwechsel sorgt (alle 2-3 Tage 50%). Gefüttert werden die Killis in dieser Zeit abwechselnd mit Frostfutter und Trockenfutter. Alle zwei Tage wird der Leichmopp herausgenommen und nach Eiern abgesucht. Meist findet man zwischen 10 und 20 Eiern.

Die Eier werden in einer kleinen Plastikschale mit niedrigem Wasserstand gehältert. Bei mir neigen die Eier zum Verpilzen, weswegen ich vorbereitete Wasserflaschen mit etwas Methylenblau für den täglichen Wasserwechsel in der Plastikschale verwende. Der Vorteil dabei ist die bessere Dosierung und dass das Wasser die gleiche Raumtemperatur hat, wie das Wasser in der Plastikschale. Nach zwei bis drei Wochen schlüpfen die kleinen Killis und werden mit einem Luftschlauch angesaugt und in ein kleines Aufzuchtbecken überführt.

Das Aufzuchtbecken der ersten Zeit ist bei mir ein 10 L Aquarium ohne Einrichtung. Dafür ist es aber mit viel Hornkraut (Ceratophyllum demersum) bestückt, dass als Filterersatz dient und dem Becken eine erstaunliche Stabilität verleiht. Eine Beleuchtung oder die Aufstellung am Fenster ist hier vonnöten, damit das Hornkraut gut wachsen kann und dem Wasser die Schadstoffe entzieht. Als Mitbewohner haben sich Posthornschnecken bewährt, die übriggebliebenes Futter verspeisen und die Scheiben vom Bakterienrasen befreien.

In den ersten Tagen finden die Jungfische genügend Kleinlebewesen und Aufwuchs in den Pflanzen. Ich ergänze dies mit Essigälchen, die sehr einfach und beinahe aufwandslos zu züchten sind. Die kleinen Prachtkärpflinge nehmen aber auch sofort entkapselte Artemiaeier, Spirulinapulver und Cyclop eeze. Selbstgezogene Artemia werden natürlich auch sehr gerne genommen, sind aber bei diesen Fischen nicht unbedingt notwendig. Der Nährwert der anderen Futtermittel steht dem der Salinenkrebschen sicherlich in nichts nach.

Beim Wasserwechsel gehe ich meistens so vor, dass ich 70 % des Wassers mit einem dünnen Luftschlauch absauge, wobei man natürlich aufpassen muss, dass keine Jungfische mit abgesaugt werden und dann täglich 1 Liter frisches Wasser hinzugebe, bis das Becken wieder voll ist. Dadurch ist der Pflegeaufwand relativ gering und die Jungfische haben immer eine gute Wasserqualität. Von Zeit zu Zeit muss natürlich das Hornkraut ausgelichtet werden.

Ab einer Länge von 1 cm fange ich die kleinen Killifische raus, damit sie sich nicht an den nachrückenden kleineren Geschwistern vergreifen und überführe sie in ein größeres Aufzuchtbecken.

Bei guter Fütterung, z.B. mit geschabten Mückenlarven, und regelmäßigem Wasserwechsel wachsen die kleinen Prachtkärpflinge schnell. Die Fundulopanchax gardneri sind nach drei bis vier Monaten geschlechtsreif und nach rund einem Jahr ausgewachsen.

© Andreas Jäger

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