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13.06.2006Das Aquarium – So funktioniert'sHamburger Mattenfilter, Sandboden, CO2, Wasserwechsel, Dünger & Co.Wer Aquarienbücher zu Rate zieht oder sich auf die Beratung der meisten Zoohändler verlässt, wird nur in den seltensten Fällen zu einem Aquariensystem kommen, wie es hier vorgestellt wird. Die Gründe dafür liegen vor allem im kommerziellen Bereich und in der traditionellen Trägheit mit der überholte Erkenntnisse, wie z.B. die angeblich „kalten Füße" gebetsmühlenartig wiederholt werden. Die beiden Aquarien, die in diesem Artikel behandelt werden, laufen seit Jahren mit geringen Pflegeaufwand nach dem hier vorgestellten System. Traditionell wird in den meisten Fällen empfohlen Aquarienkies in der Körnung 3-4 mm zu verwenden, einen nährstoffhaltigen Bodengrund darunter zu schichten und das Ganze mit einer Bodenheizung vom Aquarienwasser durchströmen zu lassen. Dazu wird ein Außenfilter mit Biobällen oder ähnlichem Filtermaterial mit phantastischen Oberflächen zur biologischen Filterung angeboten. Eine Kohlendioxiddüngung ist verständlicherweise für den Zoohandel auch eine lukrative Angelegenheit. Dazu kommt immer wieder die Empfehlung Antennenwelse, siamesische Rüsselbarben und Black Mollys zur Algenbekämpfung einzusetzen. Das sich dieses System nach wie vor hartnäckig hält, bestätigt ein Artikel in der DATZ 03/2006. Auch ich habe in den ersten Jahren meine Aquarien nach diesen Gesichtspunkten eingerichtet und viel Geld ausgegeben, um hinterher vor einem veralgten Aquarium zu sitzen, in dem nur wenige Pflanzen wachsen wollten. Der Bodengrund setzte sich sehr schnell durch Futterreste und Mulm zu und die Nährstoffe im Boden überdüngten das Wasser. Auch kam es immer wieder zu Schwächekrankheiten, die wohl auf zu schlechte Wasserbedingungen schließen ließen. Das sündhaft teure Filtermaterial im Außenfilter hatte wohl nicht gehalten was es versprochen hatte, ganz zu schweigen von den lästigen Reinigungsarbeiten. Durch häufige Wasserwechsel und Reinigen des Bodengrunds mit einer Mulmglocke waren diese Probleme aber zeitweise in den Griff zu kriegen, so das es recht lang gedauert hat, bis ich mich nach einem geeigneteren System umgeschaut habe. Der wichtigste Schritt zu einem funktionierendem Aquarium, an dem man auch längerfristig Spaß hat, ist meiner Meinung nach die Kombination des Hamburger Mattenfilter mit feinkörnigem Aquariensand. Der Hamburger Mattenfilter (HMF)Der HMF kombiniert in hervorragender Weise einen effektiven Biofilter mit einem Strömungsfilter. Detaillierte Beschreibungen sind im Internet zu finden. Hier seien nur zusammenfassend die enormen Vorteile dieses Filters angesprochen:
Viele Leute bemängeln, der Filter würde zuviel Platz im Aquarium beansprucht und wie ein Fremdkörper wirken. Dagegenzuhalten ist, dass es zum einen Möglichkeiten gibt einen HMF platzsparend einzubauen und dass die Filtermatte sich nach einiger Zeit völlig in das Aquarienbild integriert, was durch eine Bepflanzung mit z.B. Javamoos noch begünstigt werden kann. SandbodenDer größte Vorteil von Sandboden gegenüber dem oft propagiertem Kies ist, dass kein organisches Material in den Boden eindringen und somit auch nichts faulen kann. Hierbei muss allerdings auch auf einen nährstoffhaltigen Bodengrund verzichtet werden, der nach meinen Erfahrungen aber auch für die meisten Pflanzen nicht nötig ist. Bei einer ordentlichen Strömung wird sich der Mulm nicht auf den freien Sandflächen, sondern in den bepflanzten Bereichen ansammeln und von Bakterien zersetzt, bis er fein genug ist im Wasser zu schweben und in den Filter zu gelangen. So bleibt der Boden optisch immer sauber und braucht nicht gereinigt zu werden. Der Mulm in den Ecken und hinter den Pflanzen sollte nicht vom Aquarienboden abgesaugt werden, da dadurch die Bakterienmasse verringert wird, die die ersten Prozesse der Zersetzung übernimmt. WasserwechselDie Bedeutung eines regelmäßigen Wasserwechsels kann auch durch den besten Biofilter nicht geschmälert werden. Das Endprodukt aller aeroben Abbauprozesse ist das Nitrat, das sich im Wasser ansammelt. Durch viele gut wachsende Pflanzen wird dieser Prozess verlangsamt, aber bei normalem Fischbesatz muss das sich ansammelnde Nitrat entfernt werden. Das geschieht am einfachsten mit einem Wasserwechsel. Anaerob arbeitende Nitratfilter oder Kunstharze , die Nitrate binden, sind für den Normalbetrieb eines Aquariums zu aufwendig. Wer die Möglichkeit hat sein Leitungswasser direkt verwenden zu können, für den empfiehlt es sich, einen Schlauch zum direkten Befüllen und Ablassen zu benutzen. Die meisten Fische vertragen den Temperaturunterschied bei einem 30 – 50 prozentigen Wasserwechsel sehr gut. Im Winter sollten eventuell besser mehrere kleine Wasserwechsel erfolgen. Auf die Zugabe von Wasseraufbereitungsmittel sollte man verzichten, da sie die Wirkung des Pflanzendünger herabsetzen und somit nur Kosten verursachen, ohne in den meissten Fällen einen Nutzen zu bringen. Beleuchtung und CO2Ob eine CO2 Düngung benötigt wird, hängt oft von der verwendeten Beleuchtungsstärke, der Beleuchtungsdauer und dem Fisch- und Pflanzenbesatz ab. Generell sollte der CO2-Gehalt des Wassers bei ca. 10 – 20 mg/l liegen. Mit geeigneten Testmitteln aus der Fachhandlung ist das leicht nachzuprüfen. Generell gilt die Tendenz, je intensiver und länger die Beleuchtung gewählt wird und je mehr Pflanzen sich im Becken befinden, desto mehr CO2 wird verbraucht. Fische liefern durch ihre Atmung zwar CO2 zurück, deshalb sollte aber nicht an einen Überbesatz gedacht werden, um den CO2 Gehalt zu erhöhen. Bei mir hat sich eine intensive Beleuchtung (HQI) mit kurzer Beleuchtungszeit (8 Stunden) und einer großen Pflanzenmenge bei leichter CO2 Düngung als das Optimum herausgestellt. Dieses Aquarium mit 525 l ist seid Jahren optisch vollständig algenfrei mit einem schier unglaublichen Pflanzenwuchs. Der größte Pflegeaufwand ist hier das Zurückschneiden der Pflanzen. Dafür wird man damit belohnt, dass gegen Ende der Beleuchtungszeit überall Sauerstoffbläschen aufsteigen, was wirklich toll aussieht. In einem zweiten Becken habe ich eine weniger intensive Beleuchtung (2 Leuchtstoffröhren) auch mit kurzer Beleuchtungszeit von 8 Stunden auf 150 l Wasser gewählt. Die Pflanzen wachsen in diesem Becken deutlich langsamer aber auch sauber und algenfrei. Einer zusätzliche CO2 Düngung bedarf dieses Becken nicht. DüngerIch dünge meine Becken mit Ferrdrakon, einem im Internet vertriebenen Volldünger für Aquarienpflanzen. In vielen aquaristischen Foren wird dieser Dünger über alle Maßen gelobt und ich kann mich dieser Meinung nur anschließen. Auch den Pflanzendünger von EasyLife kann ich sehr empfehlen. HelferleinWer die Möglichkeit und den passenden Fischbesatz hat, sollte in Erwägung ziehen, sich Süßwassergarnelen zuzulegen. Diese putzigen Tiere sind, im Gegensatz von den früher oft empfohlenen Antennenwelsen, siamesischen Rüsselbarben oder Black Mollys, wirklich in der Lage größere Algenmengen zu vertilgen. ZusammenfassungMan sollte nicht viel Geld für unnötige oder schädliche Technik und Zubehör ausgeben; das führt am Ende nur schwerlich zu beeindruckenden Resultaten. Der Hamburger Mattenfilter kombiniert mit Sandboden, dazu eine der Beleuchtung angepasste CO2 Düngung , ein guter Pflanzendünger und ein regelmäßiger Wasserwechsel sind die Zutaten für wahrhaftig magische Aquarien, in denen sich Fische und Pflanzen wohl fühlen. © Andreas Jäger |
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