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28.01.2007

Fischfutter ≡ Aquariendünger ?

Inwieweit kann Fischfutter zur Düngung von Aquarienpflanzen verwendet werden ?

Der Verwendung eines guten Pflanzendüngers im bepflanzten Süßwasseraquarium wird allgemein große Bedeutung beigemessen. Die einschlägigen Firmen überbieten sich bei ihren Versprechungen bezüglich des zu erwartenden Pflanzenwuchses, bei der Verwendung ihrer Düngemittel. Für große Pflanzenaquarien geht die verbrauchte Düngermenge schon ganz schön ins Geld. Die führenden Firmen bieten sogar verschiedene Düngemittel an, die zusammen verwendet werden sollen, meistens einen Eisendünger, einen Volldünger und zusätzlich einen Spurenelementdünger. In Aquarianerkreisen gilt deshalb der im Internet vertriebene Dünger der Firma DRAK als günstige Alternative. Viele Aquarianer berichten von sehr gutem Pflanzenwuchs mit diesem Dünger und auch ich kann nur Gutes über diesen Dünger berichten.

Folgender Bild zeigt allerdings einen Ausschnitt aus einem Aquarium mit üppigem Pflanzenwuchs, in das außer Fischfutter kein zusätzlicher Dünger eingebracht wird.

Aquarienausschnitt außschließlich mit Fischfutter gedüngt

In diesem Artikel soll diskutiert werden, welchen Anteil das zugegebene Fischfutter zur Pflanzendüngung im Aquarium beiträgt und ob ein künstlich zugegebener Dünger in einem Pflanzenaquarium, in dem auch Fische gehalten werden, überhaupt zwingend nötig ist.

Inhaltsstoffe von Fischfutter

Jedes Fischfutter, egal ob Lebendfutter, Trockenfutter oder Frostfutter besteht aus Lebewesen oder Produkten, die aus Lebewesen hergestellt wurden. Alle Lebewesen sind trotz ihres unterschiedlichen Aussehens chemisch sehr ähnlich aufgebaut und haben auch einen ähnlichen Bedarf an Nährstoffen. Somit müssen auch alle Nährstoffe, die von den Wasserpflanzen gebraucht werden, im Fischfutter enthalten sein. So bestehen z.B. Tiere, Pflanzen und Pilze aus 40 – 50 % Kohlenstoff. Von den 17 Elementen, die Pflanzen zum wachsen benötigen, kommt nur Bor nicht in Tieren vor. Ein Unterschied von Tieren zu Pflanzen ist der Gehalt an Stickstoff (N) und Schwefel (S). Wegen des höheren Eiweißgehalts haben Tiere etwa die dreifachen Mengen. Die Frage ist nur, reichen die Inhaltstoffe von Fischfutter aus, um die Pflanzen in einem Aquarium zu ernähren ?

Um diese Frage zu beantworten, muss man die Inhaltstoffe des Fischfutters kennen und mit den Bedürfnissen der Wasserpflanzen vergleichen. Folgende Tabelle zeigt die Mengen der relevanten Nährstoffen in Trockenfutter [3] und im Vergleich die Mindestkonzentrationen dieser Nährstoffe bei Elodea occidentalis [2]. Nach Wentzel [1] beträgt die Produktivität von Süßwasserpflanzen 1,7 kg Trockenmasse pro m2 und Jahr. Daraus lässt sich die Menge an Trockenfutter berechnen, die pro Jahr verfüttert werden müsste, um die Bedürfnisse der Pflanzen zu decken.

ElementDurchschnittlicher Gehalt in Fischfutter (mg kg-1)Mindestgehalt an Nährstoffen bei Elodea occidentalis (mg kg-1)Benötigtes Fischfutter (g) pro Jahr für ein m2 bepflanztes Aquarium
B481,346
C4300004000001581
Ca320002800149
Cu150,891
Fe22060464
K1200080001133
Mg170010001000
Mn234296
Mo1,30,15196
N8200016000331
P230001400104
S5100800267
Zn1108124

Wenn man davon ausgeht, dass für ein Aquarium von 1 m2 Grundfläche nur 200 g Fischfutter pro Monat gegeben wird, sollten alle Nährstoffe ausreichend vorhanden sein. 200 g Fischfutter pro m2 halte ich nicht für zuviel. Heruntergerechnet auf ein Standart 60X30 cm Aquarium wären das nur 36 g Fischfutter pro Monat.

Der Abbau des Fischfutters

Fischfutter wird von den Fischen, den Schnecken und den Bakterien im Aquarium wie in der Natur in pflanzenverfügbare Nährstoffe umgewandelt. Stickstoff (N), Schwefel (S) und Kohlenstoff (C) wird in Ammonium, Sulfat und Kohlendioxid umgewandelt. Einige Nährstoffe werden direkt von den Fischen über den Urin oder die Kiemen an das Wasser abgegeben, wie z.B. Bor, Kalium, Magnesium, Molybdän, Schwefel und Kohlenstoff. Calcium, Phosphor, Eisen, Kupfer, Mangan und Zink werden mit dem Kot ausgeschieden und zumindest die Metalle werden erst mit der Zeit durch Bakterien und Pilze im Mulm pflanzenverfügbar. Auch deshalb sollte Mulm im Aquarium möglichst nicht abgesaugt werden, um einen reibungslosen Ab- bzw. Umbau von Pflanzennährstoffen zu gewährleisten.

Auch in Becken mit sehr wenig Fischen kann man das Futter ins Becken geben, um die Pflanzen zu düngen. Ob nun Fische oder Bakterien das Fischfutter abbauen, ist eigentlich egal. Die Futtermenge sollte dann allerdings langsam gesteigert werden, um die nötige Menge an Bakterien heranzuziehen, damit das Futter nicht verfault. Man kann sich das so vorstellen, dass man im Endeffekt die Pflanzen füttert, d.h. mit Nährstoffen versorgt. Die Fische und die Bakterien beziehen aus dem Fischfutter zum größten Teil nur die Energie und scheiden die Nährstoffe wieder aus. Die Pflanzen sind auf die Energie im Fischfutter nicht angewiesen, sie generieren ihre Energie mit Hilfe des Lichts selbst.

Kohlendioxid

Eine Sonderstellung nimmt in dieser Betrachtung sicherlich der Kohlenstoff ein. Auch wenn die Menge im Fischfutter theoretisch reichen würde, wird das entstehende Kohlendioxid stark über die Wasseroberfläche ausgetrieben. Sicherlich ist bei alleiniger Düngung mit Fischfutter immer Kohlendioxid der begrenzende Faktor. Deswegen ist es auch nicht verwunderlich, dass eine zusätzliche Kohlenstoffdüngung ein stark verbessertes Wachstum mit sich bringt. Ob das im Einzelfall nötig ist, hängt von vielen Faktoren ab, wie z.B. der Beleuchtungsstärke und der Menge an Pflanzen und Fischen.

Fazit

Grundsätzlich kann man davon ausgehen, dass in einem Aquarium mit Fischbesatz genügend Nährstoffe für ein gesundes Pflanzenwachstum über das Fischfutter ins Wasser gelangen. Eine zusätzliche Düngung mit Pflanzendünger muss deshalb nicht unbedingt nötig sein. Grundsätzlich kann versucht werden, die Düngegaben soweit zu reduzieren, bis der Pflanzenwuchs nachlässt. Durch eine zu reichliche Düngergabe wird im Gegenteil oft eher das Algenwachstum begünstigt, als das Pflanzenwachstum verbessert. Hierbei scheint besonders der Eisengehalt des Aquarienwassers eine Rolle zu spielen. Eine Kohlenstoffdüngung kann hingegen zu einer deutlichen Steigerung des Pflanzenwachstums führen, da frei verfügbares Kohlendioxid oft der limitierende Faktor beim Wachstum der Pflanzen ist.

© Andreas Jäger

Literatur

1. Wetzel 1983, Limnology (Second Ed.) Saunders College Publishing (Philadelphia,PA), p.547.

2. Gerloff GC. 1975, Nutritional Ecology of Nuisance Aquatic Plants. National Environmental Research Center (Corvallis OR), 78 pp.

3. Walstad D. 2005, Das bepflanzte Aquarium. Tetra Verlag GmbH (Berlin-Velten), p.98.

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