|
|
24.08.2006Achirus sp. – Süßwasserflundern im AquariumAchirus achirus, Achirus fasciatus, Tenectes sowieso, Süßwasserflunder, Süßwasserseezunge, Süßwasserscholle oder wie ?Plattfische sind uns meistens nur aus dem Meer bekannt. Ich war vor Jahren sehr verwundert, schollenähnliche Fische bei meinem Zoohändler zu entdecken. Ich konnte damals nicht widerstehen und nahm einige Tiere mit. Leider gab es zu diesen Fischen in der Aquarienliteratur nur sehr wenige Hinweise. Sterba beschreibt eine Zwergflundern der Art Achirus fasciatus, die meinen Süßwasserflundern sehr ähnlich zu sein scheint. In einem Artikel der Datz wird über Zwergflundern berichtet, allerdings wird auch hier offen gelassen, ob es ich bei den beschriebenen und abgebildeten Flundern um Achirus achirus oder Achirus fasciatus handelt. Nachdem ich diese Fische nun seid einigen Jahren halte, kann ich sagen, dass sich meine Zwergflundern sehr gut im Süßwasseraquarium pflegen lassen. Meine Zwergflundern haben die für Plattfischartige typische abgeplattete, asymmetrische Körperform. In Anpassung an das Bodenleben beginnt bei diesen Fischen schon im Jungfischalter eine Verlagerung der Augen zur rechten Körperseite sowie ein asymmetrisches Verschieben des Maules. Der Körper der Fische ist länglich oval, mit einer gut erkennbaren Schwanzflosse. Die Augen stehen deutlich aus dem Kopf hervor und sind im eingegrabenen Zustand meistens das einzig Sichtbare von den Fischen. Die Augen sind dabei nicht völlig symetrisch ausgelegt, sondern das Rechte ist mehr nach vorn und das Linke mehr nach hinten gerichtet. Die Unterseite der Süßwasserflundern ist mehr oder weniger weiß. Die Oberseite variiert je nach Stimmung, Untergrund, aber auch einfach individuell zwischen den Tieren. Meist haben die Fische eine sandfarbene Grundfarbe und dunklere, braune, unregelmäßige Flecken. Manche Zwergflundern sind allerdings auch eher dunkelbraun. Sehr charakteristisch ist der Besatz mit kleinen Haaren auf der Oberseite. Das Verbreitungsgebiet der Schollen konzentriert sich auf die an der Ostküste der USA gelegenen Bundesstaten Florida und Texas. Dort leben sie im Süß- wie auch im Meerwasser. Eine andere Art Achirus achirus lebt im reinen Süßwasser des Amazonas. Da mir nicht genau bekannt war, welches Wasser meine Zwergflundern bevorzugen, halte ich sie seit einigen Jahren in reinem Süßwasser. Diese Hälterung scheint den Tieren sehr gut zu bekommen, da sie gierig fressen und deutlich an Größe zugelegt haben. Die größte Süßwasserflunder, die ich zur Zeit halte, ist ca. 7 cm lang. Ich habe die Tiere im Jugendstadium in einem 30 Liter Aquarium mit Red Fire Zwerggarnelen der Gattung Neocaridinae vergesellschaftet. Dieses Becken diente auch immer wieder als Aufzuchtbecken für diverse Lebendgebärende und Killifische. Soweit ich beurteilen kann, kam dabei nie ein Jungfisch abhanden. Auch mit den zwei halbwüchsigen Antennenwelsen kamen die Flundern immer gut aus. Bei zunehmender Größe wurden die Flundern in ein 160 Liter Becken umgesetzt, dass sie sich mit Panzerwelsen und diversen Killifischen teilen. Sterba berichtet, dass diese Süßwasserfludern nachtaktiv sind. Dieser Meinung kann ich mich nicht anschließen, da meine Zwergflundern auch tagsüber aktiv sind. Ich würde diese Tiere nicht als lebhaft bezeichnen, aber sie sind auch tagsüber oft zu sehen und erkunden das Becken. Halb vergraben im Sand oder angeheftet an den Aquarienscheiben, es ist einfach immer interessant sie zu beobachten. Zum Futter ist zu sagen, dass Lebendfutter bzw. Frostfutter sehr gerne genommen wird. Besonders alle Arten von Mückenlarven sind sehr gut geeignet. Nach einer ausgiebigen Fütterung mit roten Mückenlarven sehen die Schollen eher aus wie verhinderte Kugelfische. Das die Zwergflundern Flockenfutter gefressen hätten, habe ich nicht beobachten können. Aber eine Fütterung mit Frostfutter alle 2 - 3 Tage scheint diesen Tieren vollauf zu genügen. Allerdings ist ein Nachjagen von Futtertieren nicht zu beobachten. Die Süßwasserflundern sind wohl Lauerjäger, die halb im Sand vergraben auf vorbeikommende Beute warten. Am besten ist es, wenn das Futter ihnen auf den Kopf fällt. Deshalb sollte man Zwergschollen auch nicht mit zu gierigen und schnell fressenden Fischen vergesellschaftet, da sie sonst zu wenig Futter abbekommen. Machbar ist, erst die Mitbewohner mit z.B. Trockenfutter zu sättigen und danach die Zwergflundern mit Frostfutter oder Lebendfutter zu füttern. Die Fische buddeln sich auch in Sekundenschnelle bei Gefahr in den Sandboden ein, so dass nur die Augen hervorschauen. Bei solchen Aktionen können die Flundern auch aus dem Wasser schnellen, so dass man bei offenen Becken darauf achten sollte, die Tiere nicht zu erschrecken. Ich denke es ist deutlich geworden, dass mir zwar nicht genau bekannt ist, welche Zwergflundern ich eigentlich halte, dass es aber ungeheuren Spaß macht, sich an diesen nicht alltäglichen Fischen zu versuchen. © Andreas Jäger |
|